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Made in Germany

Porzellan Made in Germany

 

Gelegentlich hört man, Produkte "Made in Germany" sind wieder groß im Kommen. Vor allem bei uns in der Porzellanbranche. Nach dem Jubiläum "300 Jahre deutsches Porzellan" im Jahr 2010 berichteten die Fachzeitschriften über einen neuen, deutschen Markentrend in Porzellan! Das hat uns als Marktteilnehmer seit 1955 dazu bewogen, hier in unserer Warenkunde dazu Stellung zu nehmen, um auf den gelegentlichen Missbrauch dieses Verkaufsslogans aufmerksam zu machen. Deutschlands Stärke ist die kosmopolitische Offenheit und eine der stärksten Exportwirtschaften der Welt! Wir brauchen das Ausland - das Ausland braucht uns!


 

Vorab - ein Tribut an die Marken!

Es gibt hunderte Fachbücher über Marken, Markenpflege und Markenwerte. Am Ende lässt sich "Marke" relativ einfach definieren: Marke ist, wer für sein Produkt einen höheren Kaufpreis erzielt, weil der Markenname selbst dem Artikel eine Wertschöpfung verleiht! In diesem Sinne erkennen wir die Stellung der Porzellanmarken an, denn es gelingt ihnen, Porzellanwaren zu höheren Preisen abzusetzen als vergleichbar markenlose generische Produkte.

 


 

Warum läßt Holst Porzellan überwiegend im Ausland produzieren?

Die Antwort liegt u. a. in dem dargestellten Tribut! Deutsches Markenporzellan ist nicht nur gut, es ist vor allem auch teuer! Der Absatz finanziert eine aufwändige Markenpflege, Sponsoring von Personen und Unternehmen des öffentlichen Interesse und eine riesige Adminstration und Verwaltung. Alleine dieser Aufwand für Vertrieb, Messen und Außendienst verschlingt Millionen. Die Kosten für Kleinserien und Spezialprodukte sind aufgrund der Überindustrialisierung der deutschen Porzellanindustrie riesig und unterliegen krass der flexiblen, handwerklichen Porzellanherstellung im Ausland. Und letztlich schmeckt ein Schnitzel nicht besser, weil es auf einem deutschen Teller serviert wird. Unsere Kunden und Abnehmer können mit einem deutschen Markenprodukt keine höhere Wertschöpfung erzielen und sind auf gute, aber kostengünstige Produkte angewiesen! Darin obliegt die Wurzel unserer Firmenphilosophie "Schlicht & Stark in Form und Funktion".

 


 

Porzellan ist keine deutsche Erfindung!

Die englische und internationale Bezeichnung für Porzellan lautet "Chinaware", dass aus den Worten China und Ware, mit anmutigen Klang, das weiße Gold aus Asien bezeichnet! Aufzeichnungen zur Folge wurde es in China rund 3.800 Jahre vor Johann Friedrich Böttger entwickelt, als er 1706 das Porzellan erfunden haben soll, wie man ihn hierzulande als Urvater des Deutschen Porzellans inzwischen huldigt. In Wirklichkeit war Böttger (1682-1701) selbst ein Alchemist und Scharlatan, der sich der Goldmacherei brüstete und es statt des versprochenen Goldes gerade einmal zu einem roten Ziegel gebracht hat. Im heutigen Sprachgebrauch würde man sagen, Böttger ist des Betruges mehrfach vorbestraft. In den 21 Jahren seiner Schaffenskraft ist es ihm letztlich nur gelungen das nachzubauen, was die Chinesen schon seit mehr mehr als 3.000 Jahren herstellen konnten. Mehr dazu finden Sie auf Wikipedia und in dieser Warenkunde unter Geschichte des Porzellan.    


 

Das ist Germany!

Deutschland als Gastgeber

 

Seit der Fußball WM 2006 zeigt Deutschland stolz wieder seine Fahne; erstmals seit rund 60 Jahren ohne sich für "schwarz-rot-gold" zu schämen. Deutschlands Rolle als Industrieland, als Gastgeber und Kulturmetropole ist international rehabilitiert und hoch angesehen. Deutsche sind auf der ganzen Welt gerne willkommen, ob als Fußballnation, Touristen, Investoren oder Ingenieure. Die BRD hat viele Markensymbole, Benz, Beethoven, Bayer - weltweit ebenso bekannt wie der Hamburger, die Frankfurter und Thüringer Bratwurst. Doch wir strahlen nicht nur aus! Wir Deutsche erfreuen uns an holländischen Tulpen, an griechischer Gastfreundschaft, lieben italienische Pasta, spanische Tapas, Serranoschinken und trinken Lambrusko, Bordeaux, Ouzo, Ramazotti, Linie und Grappa, schmelzen dahin bei belgischen Pralinés, Schweizer Schokolade, schottischem Whisky. Ganz besondere Anlässe feiern wir mit französischem Champagner und im Fußball bejubeln wir unsere deutschen Torschützen Özil, Hummels, Khedira, Boateng und Podolski, im Tennis Atlethen wie Petkovic, Malek, Ozga und Troicki. Wir fördern den Schüleraustausch, das Auslandssemester und unsere Jugend feiert in der Russendisco  bei "Atemlos" so richtig ab. 

Deutschland heute ist keine verschlossene, nationalistische Nation! Deutschland ist ein weltoffener Global Player in dem die Werte von Einigkeit, Recht und Freiheit gelebt werden. Fleiß, Bildung und ein weltoffenes Handeln sind die Fundamente des deutschen Erfolges. Als Europäische Wirtschaftslokomotive vereinen wir Rohstoffe, Produkte, Dienstleitung und Know-How aus vielen Ländern zu einem unternehmerischen Erfolg. Eine deutsche Leberwurst, ein deutsches Auto oder eine deutsche Präzisionsfräse erhalten mit Recht bei "Made in Germany" eine Käufererwartung, die auf einen besonderen Geschmack, Reiheit, Funktion, oder eine lange Haltbarkeit hinweisen - meist mit gutem Recht, weil es sich eben um ein "typisch deutsches Produkt" meist mit uraltem, historischen Hintergrund und einer Jahrzehnte langen Produkterfahrung handelt.  

Gernau diese Erkenntnis unterstreicht die handwerkliche Fertigungskompetenz Chinas, Vietnam und einiger angrenzenden Staaten. Porzellan ist dort nicht billiger, sondern wird schlicht und ergreifend anders hergestellt - und seit mehr als 5.000 Jahren!   


 

Porzellan im Subventionskarussel.

Seit Marco Polo das Porzellan als Symbol für Reichtum und Macht an die Europäischen Höfe getragen hat, eifert die Aristokratie mit dem weißen Gold um die Wette. Jedes Adelsgeschlecht, das etwas auf sich hielt, subventionierte seine Porzellanmarke. Meißen, Royal Kopenhagen, Königlich Preußische Porzellanmanufaktur (KPM), Fürstenberg, Ludwigsburg, Herend, Augarten und viele andere erlangten so ihren Ruhm und Glanz. In der Neuzeit wandelten sich die Finanziers in Banken und Investments Fonts, soweit die Marken überhaupt noch selbst produzieren. Die aktuell (Stand 2016) populärste Subventionsgrube in Deutschland ist Meißen selbst, die als Geburtsstätte Deutschen Porzellan vom Staat selbst finanziert wird. Deutsches Porzellan für Tisch & Tafel erreichte seinen Zenit im Jahr 1973. Quasi jede Stadt verfügte über ein Glas- & Porzellan Fachgeschäft. Fast alle Porzellanfabriken, die in der Nachkriegszeit unter der Gemeinschaftsmarke "Bavaria Germany" produzierten, gedeihten zu einer Marke, beflügelt von Grenzlandzuschuss und Sonderabschreibungen wurden ganze Landstriche Bayerns für das weiße Gold subventioniert. Doch der Wertewandel hat vor allem dieses Produktsegment schwer getroffen, die den Umstieg in einen kostenbewußten Verbrauchermarkt vielfach versäumt hat.

Wie viel Markenpflege kann ein weißer Teller verkraften, wie hoch zahlt der Kunde eine produktionstechnische Perfektion? Mehrheitlich ist Porzellan ein simpler Gebrauchsgegenstand der durch Form, Design und vor allem dem was wir auf ihn drauflegen erst zu einem Teil unserer positiven Wahrnehmung gedeiht! Gewerbliches Porzellan für Gastronomie & Gemeinschaftsverpflegung ist davon noch viel mehr betroffen, als Haushaltsgeschirr! Eine bekannte deutsche Porzellanfabrik, die nach eigenem bekunden nur "Made in Germany" produziert, veröffentlichte im März 2011 ihr Jahresergebnis mit einem Produktionsvolumen von 4,9 tausend Tonnen! Dabei erwirtschaftete sie einem Verlust von 2,5 Mio Euro, also 514 Euro pro Tonne, oder umgerechnet knapp 50 Cent pro Teller! Seit der Deutschen Wiedervereinigung sind mehr als 380 Millionen Euro Subventionen in ostdeutschen Fabriken regelrecht verbrannt worden, um am Ende bei Sales Aktionen von Tchibo, Aldi & Co. ihre Produktionsmengen unterzubringen. 

Folgt man den Ausführungen der Führungsspitze des Verbandes der Keramischen Industrie, standen im Jahr 2009 auf dem inländischen Markt einem Produktionsvolumen von 38.391 Tonnen Deutschen Porzellans insgesamt 105.000 Tonnen aus China gegenüber. Errechnet man anhand dieses Importvolumens die derzeitigen Einfuhrabgaben, spült dieser Import mehr als 24 Milliarden Euro (umgerechnet 16 Cent pro Teller) in die Kassen des Deutschen Staates und der EU. Somit trifft die Feststellung zu, dass diese Einfuhren unserer Volkswirtschaft Steuereinnahmen zuführen, während die inländische Industrie vielfach Subventionen und Zuschüsse verbraucht. Und wenn die Deutschen Porzellanfabriken den selben Preis für Strom, Gas und Wasser bezahlen würde wie jeder steuerzahlende, private Verbraucher, dann würde es keinen einzigen Teller "Made in Germany" mehr geben. 


 

Tischkultur in Germany.

Dennoch heißt die wohl weltweit erfolgreichste Marke in Sachen Tisch & Tafel heute Ikea! Kein Hersteller! Diese Ware stammt aus aller Herren Ländern, keinen interessiert aus welcher Fabrik die Ware stammt. Entscheidend ist Design, Preis und Präsenz. Der Hochzeitstisch ist längst vergessen und bei Real kostet ein Liter Motoröl oft doppelt so viel wie ein Kaffeeservice. Aldi verkauft 2 Pastateller zum Preis einer Dose Pesto und 2 Pizzateller in der Metro kosten weniger als eine Quadrostatione beim örtlichen Pizzablitz. Schmeckt das Essen auf einem Rosenthal Teller wirklich besser? Kommen mehr Gäste ins Restaurant, wenn man auf Villeroy & Boch serviert? Werden die Patienten im Krankenhaus dank einer Bauscher Schnabeltasse schneller gesünder, oder die Menschen oder im Seniorenstift mit Schönwald jünger? 

 

Deutsche Tischkultur

(Quelle: Ikea online)


Das Warenzeichen "Made in Germany" hat seine Bedeutung nach dem 1. Weltkrieg durch die Briten erlangt, die mit dieser Kennzeichnung Waren ihres Kriegsgegners Deutschland boykottierten. Nach dem 2. Weltkrieg begleitete diese Kennzeichnung den wirtschaftlichen Aufstieg der Bundesrepublik und verleite seinen Produkten den Anspruch von Qualität und Beständigkeit auf einem hohen Niveau. Viele einst "Deutsche Marken" nutzen ihren ursprünglichen Status, um ausländischen Herstellern den Markteintritt zu erleichtern. Mehr als 3/4 aller deutschen Porzellanfabriken sind heute nicht mehr existent. Deutsches Rosenthal oder Porzellan "Made in China", Deutsches Mitterteich "Made in Turkey" oder Villeroy & Boch "Made in Vietnam" findet sich leider auf keinem Schriftzug dieser großen Marken.   


     

So entstand Holst Porzellan.

Als unser Namensgeber 1955 "Holst in Köln" gründete, hielt sich die Deutsche Porzellanindustrie für den Nabel der Welt. Man war so sehr mit der Versorgung der lokalen Märkten beschäftigt, daß der jährliche Umsatzzuwachs von mindestens 20% bis zu den Urenkeln der reichen Porzellanfamilien schon verplant war. Beflügelt von neuen Maschinen, Robotern und vollmechanischen Produktionsprozessen entwickelte sich die deutsche Porzellanindustrie in ihrem Markeneifer zu einem hochindustrialisierten Industriezweig, der auf Massenproduktion und Dekorvarianten aufgelgt war. Doch nur wenigen war es vorbehalten, wirklich zu einer echten Marke zu reifen! 

Seit 1992 war ein dieser Entwicklung völlig gegenteiliger Markttrend spürbar. Weißes Porzellan - ohne Dekorvariationen - in einer reichhaltigen Formensprache nahm an Nachfrage Fahrt auf. Jedem Gericht seinen besonderen Teller, die Kaffeetasse potenzierte sich zu einem Formenpark der Kaffeespezialitäten und bei der Darbietung süßer Nachspeisen verwandelte sich der Eisbecher zu einem Erlebnis zwischen Geschmack und Formen. Diese Vielfalt von Produkten und Ideen war von einer Porzellanfabrik nicht mehr zu leisten. 

Unser Porzellan finden Sie heute in einem deuscteh Hospital ebenso, wie in einer italienischen Pizzeria oder einem französischen Gourmetrestaurant. Dank einer zielgruppenorientierten, mehrschichtigen Qualitätsausrichtung können wir heute eine Kollektion von mehr als 4.000 Artikeln und Ideen pflegen. Mehr dazu unter unsere Produktionsstätten.  

 

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