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Dekorarten

Dekorarten

 
 

Definition Porzellandekore

 

Dekorporzellan

Das Verb "dekorieren" umschreibt nach seiner Definition das nachträgliche Verschönern, Veredeln, oder das künstlerische Ausgestalten eines Gegenstandes. Den Dekor stellt dabei die nachträglich angefertigte Verschönerung dar. Aus dieser Definition lässt sich ableiten, dass alle Arten einer nachträglichen Porzellandekoration zur Gruppe der Dekore zählen, also auch Logos, Firmenlabels und alle andere Arten der Vignetten. Ein in die Scherbe einberachtes Relief als Erhöhung oder Vertiefung zählt übrigens nicht zur Gruppe der Dekore. Die Beschreibung "Dekor" gibt dem Porzellan keinerlei Hinweise auf die Art, Güte, Wertigkeit oder Haltbarkeit einer Veredlung. Deshalb ist es wichtig, die weiterführenden Details und Angaben zu den Porzellandekoren zu kennen. 

 

 


 

 

Zeitpunkt der Dekoranbringung

 

 

Als Zeitpunkt der Porzellandekoration beschreiben wir den Zustand der Scherbe, die mit der Dekoration verdelt wird. Hier sind zwei Stadien dekorationsfähig.

  • vor dem Hartbrand als Unterglasur
  • nach dem Hartbrand als Inglasur oder Aufglasur.

 


 

 

Unterglasurdekoration

 

 

 

Wie schon der Name besagt, "liegt" die Unterglasur-Dekoration "unter" der Glasur. Sie erfolgt also unmittelbar nach dem Glühbrand, nachdem das betreffende Stück sorgfältig gereinigt wurde, durch Handmalerei, durch Stempeln (z.B. Einstempeln der Fabrikmarke) oder durch die Verwendung von Schwämmen und Schablonen. Erst nachdem der Dekor aufgebracht wurde, wird Scherben und Dekor zusammen mit der Glasurmasse überzogen, so dass sich die Dekoration vollständig unter der Glasur befindet. Die Haltbarkeit eines Unterglasurdekors ist die stärkste, bzw. beste und ist quasi unkaputtbar, da sie vollständig von der darüber liegenden Glasur geschützt wird. 

 

Die verhältnismäßig hohe Glattbrandtemperatur für Hartporzellan (1350 - 1500° C) schränkt die Unterglasurfarbenpalette für Porzellan erheblich ein. Es gibt eigentlich nur zwei Farben, natürlich mit Nuancen, die für diese Dekoration, wenigstens soweit Service in Frage kommen, mit Sicherheit Verwendung finden können: Blau (Kobaltverbindungen) und Grün (Chrom­verbindungen). Bei Einzelstücken insbesondere bei Plastiken, bei denen es nicht unbedingt auf volle Übereinstimmung in allen Einzelheiten ankommt, hat man sich manchmal auch durch niedrigere Glattbrandtemperaturen eine weiter gespannte Palette geschaffen.


Die verwendeten Farben bestehen aus Metalloxyden bzw. Salzen, die mit einem Glasurzusatz (bis zu 20 %) oder einer Mischung von Kaolin, Quarz, Feldspat und Kalkspat versetzt werden. Dieser Zusatz, vielfach auch Feuerkitt genannt, ist notwendig um die Dekoration sowohl für den Glasierungsvorgang (Eintauchen in den dünnflüssigen Glasurbrei), wie für den Glattbrand (die Glasur wird zähflüssig) zu fixieren. Für die Unterglasurmalerei werden teilweise auch sogenannte Lösungsfarben verwendet. Hier werden Metallsalze, insbesondere Chloride mit Lösungs- und Bindemittel, wie Glucose (Zucker) Glycerin, Ölen usw. versetzt um sie mal fähig zu machen, aber auch um sie zu fixieren und abzugrenzen. Soweit Öle oder andere organische Zusätze Verwendung finden, muss nochmals leicht verglüht werden, da sonst die Glasur vom Scherben an den dekorierten Stellen nicht angenommen wird. Das Gleiche gilt natürlich auch von den anderen Unterglasurfarben, wenn solche Beimischungen aus irgendwelchen Gründen erfolgt sind. Die Technik der Lösungsfarben wurde vor allem in Kopenhagen (Kgl. Manufaktur) von Arnold Krog dem damaligen Leiter der Manufaktur um die Jahrhundertwende gepflegt und entwickelt, so dass sie heute zu einem Charakteristikum dieser Manufaktur geworden ist.

Unterglasurdekorationen (Malereien) vor allem in Kobaltblau gibt es schon seit dem Beginn der Porzellanherstellung auch bei den Chinesen. Das hatte seine Ursache wohl darin, dass schon in der vorausgegangenen keramischen Entwicklungsstufe "Steinzeug" gerade dieses Blau unter Verwendung von Kobaltverbindungen die Hauptrolle spielte. Auch im Geburtsort des europäischen Porzellans versuchte man von Anfang an die­se Art der Dekoration. Allerdings hatte man dabei große Schwierigkeiten diese Farbe, ein Herzenswunsch August des Starken, er hatte für ihre Erfindung 1000 Täler ausgesetzt, in gleichmäßig guter Qualität zu erhalten. Erst dem Obermeister David Köhler gelang es 1720 zu halbwegs brauchbaren Ergebnissen zu kommen. Die endgültig gute Lösung aber gelang erst 1732 mit einer dazu passenden Glasur. Einer der bekanntesten Unterglasurdekore dieser Zeit ist das 1739 entwickelte sogenannte Zwiebelmuster (siehe auch Seite 63), das auch heute noch viele Freunde hat.

In Anwendung und weiterer Entwicklung dieser Kobalttechnik kam man dann zu den Inglasurdekoren, vielfach auch Einsfink- oder auch Scharffeuerdekore genannt. Es gelang die Farbenpalette zu erweitern, teilweise auch durch Herabsetzung der Erweichungstemperaturen der Glasuren, so dass heute schon eine ganze ansehnliche Farbenauswahl zur Verfügung steht, die natürlich auch immer wieder weiter ergänzt und erweitert wird. Der Hauptvorteil dieser Dekorationsverfahren für den Hersteller liegt jedoch darin, dass hier auch die teilmechanisierten Dekorationstechniken angewandt werden können: Das Abziehbild und das Schiebebild (Folien). Das Verfahren ist dabei das Gleiche, wie bei der Aufglasurdekoration: Die im Steindruck oder Siebdruck hergestellten Dekorbilder werden auf den bereits glatt gebrannten Scherben abgezogen (Abziehbild) oder vom Papier auf das Porzellan geschoben (Schiebebild). Die verwendeten Metall Oxyde als Farben mit entsprechenden Glasflüssen versehen, sinken während des in der Glattbrandtemperatur (1400 - 1500° C) erfolgenden Schmelzbrandes in die Glasur ein, werden von ihr umhüllt und umschlossen und sind sozusagen für alle Zeiten gegen normale mechanische und chemische Einflüsse ebenso geschützt, wie Unterglasurdekore.

 

 

 

 

 

Inglasurdekoration

 

 

 

Das Inglasur Dekorationsverfahren ist wohl die am meist verbreiteste Dekorationsart für die Werksdekore (werkseigene Dekore, volksmündig auch als Porzellanserien bekannt). Der im Gegensatz zum Inglasurverfahren "niedrige" Temperaturbereich (980 - 1200 ° C) erlaubt eine wesentlich breitere Farbpalette, als die Unterglasur und gewährleistet eine bessere Haltbarkeit als eine Aufglasur. Die Inglaasur ist quasi der Kompromiss zwischen Farbvielfalt und Haltbarkeit und gewährleistet dem Anwender mit der Bezeichnung "Spülmaschinenfestigkeit" ein hohes Qualitätssiegel. Bei bestimmungsmäßigen Gebrauch im Haushalt "halten" Inglasurdekore tatsächlich über mehrere Generationen und lassen sich ihr Alter nicht ansehen. 

 

Die Porzellandekoration wird auf den fertig gebrannten Scherben (Weißware) aufgetragen. Durch den nun folgenden Dekorbrand wird die auf der Scherbe bestehende Glasur zwischen 980 und 1.200 ° C "weich" gemacht, also auf einen zähflüssigen Zustand wieder hochgebrannt. Dieses thermische Aufweichen ermöglicht dem aufgebachten Dekor sich mit der Glasurmasse zu verbinden. In der Fachsprache nennt man das "Einsinken" der Dekorfarbe in die Glasur. 

 

 

 

 

 

Aufglasurdekoration

 

 

 

Die Aufglasurdekoration erfolgt, wie schon aus der Bezeichnung hervorgeht, auf der Glasur des fertig gebrannten Scherben. Die Aufglasur stellt die minderste Qualitätsstufe der Porzellandekoration dar und trägt allenfalls die Bezeichnung "spülmaschinengeeignet". Die verwendeten Farben bestehen aus Metalloxyden bzw. Metallverbindungen, die mit Glasflüssen (eine Mischung aus Mennige, Borsäure, Quarzmehl, Feldspatmehl) versetzt werden. Maßgeblich für die Zusammensetzung der Flüsse ist, dass sie mit ihrem Schmelzpunkt unter dem Erweichungspunkt der Glasur liegen d. h. bei einer Temperatur von ca. 600 - 900° C schmelzen. Bei der Aufglasur Handmalerei werden diese Farbkörperflußgemische, die übrigens bereits einsatzbereit meist von entsprechenden Farbfabriken geliefert werden, mit ätherischen Ölen, wie Terpentinölen, Nelkenöl, Lavendelöl, Balsamen usw. vermengt und auf die Palette auf gespachtelt mal fähig gemacht.


Bei den teilweise mechanisierten Verfahren, wie Abziehbild, Schiebebild oder Direktdruck werden die gleichen Farbkörper-Flußgemische verwendet, die in diesem Fall auf Spezialpapiere entweder in Steindruck oder Siebdruck aufgedruckt sind und dann als Abziehbild bzw. Schiebebild vom Papier auf die Porzellanoberfläche übertragen werden. Das Gleiche gilt von den Edelmetalldekorationen (Gold, Silber, Platin). Die nunmehr dekorierten Stücke werden einem sogenannten Schmelzbrand ausgesetzt. Die Einbrenntemperaturen liegen zwischen 750 - 900° C. Sie variieren je nach Farbe (Metalloxyd) und dafür notwendigen Flußzusatz. Während des Schmelzbrandes schmilzt der Flußbestandteil und verbindet so den Farbkörper fest mit der darunter liegenden Glasur.

 

Für den gewerblichen Gebrauch ist es wichtig zu wissen, dass alleine die Brenntemperatur (750 - 900° C) dem Porzellan die Eigenschaft "spülmaschinenfest" aberkennt. Aufglasurdekore sind nicht spülmaschinenfest sondern nur spülmaschinengeeignet. Man kann jedoch die Haltbarkeit des Dekor durch zusätzliche Maßnahmen deutlich erhöhen und Resistenzresultate auf dem Niveau eines Inglasurdekor erzielen. Der abgebildete Ikea Kinderteller wird seit mehren Jahren in den Ikea Restaurants eingesetzt. Dabei können die Spüldurchläufe gerne Hundert und mehr pro Tag erreichen. Als einer der wenigen Anbieter von Porzellan ist es uns gelungen, ein spezielles Verfahren der Dekorprotektion in Asien zu entwickeln, dass dem Porzellan eine bis dahin unerreichte Spülmaschinenfestigkeit bei gleichzeitiger Erhaltung der vollständigen Konformität verleiht, die wir uns durch den deutschen TÜV bestätigen lassen!

 

Übrigens: Aufglasurdekore lassen sich auch von einem "Nichtfachmann" leicht erfühlen, denn die Dekoraplikationen sind mit den Fingerkuppen durch ihre Erhabenheit leicht und deutlich zu ertasten. 

 

 

 

 

 

Sandstrahldekoration

 

 

 

Die Sandstrahlveredlung wird oft mit einer "Lasergravur" verwechselt und umschreibt eine Porzellandekoration, bei der unter hohem Druck die Glasur mittels einem Sandstrahl abgetragen wird. Mit diesem Verfahren lassen sich besonders ansprechende Ornamente und Vignetten in das Porzellan einbringen und wirken dabei sehr edel. Das Abtragen der Glasur an den gesandstrahlten Flächen schränkt die Gebrauchsfähigkeit des Porzellan in keiner Weise ein, denn echtes Porzellan mit seiner geringen Porosität ist auch in unglasiertem Zustand hygienisch einwandfrei und in jeder Hinsicht unbedenklich. 

 

Obwohl das Sandstrahlverfahren einen kompletten Brand einspart ist es nicht günstiger als eine herkömmliche, thermische Veredlung. Bei einer Sandstrahlung müssen die Freiflächen mit einem speziellen Material abgedeckt werden. Diese Wachssynthese-Folien verbrauchen sich relativ schnell und sind nur für eine geringe Anzahl Veredlungen einsetzbar. Ferner gibt es nur wenige Betriebe, die die Kunst der Sandstrahldekoration überhaupt beherrschen und die Umweltauflagen für eine Sandstrahlung sind sehr hoch, was letztlich zu einer Kostengleichheit zur thermischen Veredlung führt.