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Durable Porcelain

Durable Porcelain - ein Begriff der Keramikbranche

 

Stoneware-as-Porcelain

 

Ähnlich kompliziert wie die Einordnung des Begriffs "Stoneware" in der deutschen Sprache ist es, eine allgemeingültige Definition von "Durable" vorzunehmen. Wenn wir uns am Branchenprimus für Durable - der Porzellanfabrik Steelite aus England - orientieren, finden wir die Bezeichnung "Alumina Vitrified Tableware". Daneben gibt weitere Kollektionen, u.a. aus "Alpha Cream Varick". Beide versprechen die Eigenschaften des Durable, werden aber geichermaßen als Porzellan bezeichnet.

 

In einer uns vorliegenden Imagebroschüre bewirbt dieser Hersteller die Absenkung der Brenntemperatur um 86 Fahrenheit (30 °C) als umweltschonende Maßnahme. Eine eindeutige Angabe, wie hoch die Brenntemperatur ist, finden wir leider nicht. Geht man aber davon aus, dass echtes Hartporzellan bei etwa 1.320 °C entsteht und die Temperatur um 30 °C gesenkt wird, handelt es sich nach der Definition des VKI nach Friedl und Pukall nicht mehr um Porzellan. Zugegeben: Steelite macht eine "1a schöne Kollektion" und ist auf vielen Märkten der Welt sehr erfolgreich tätig. Dafür unser Kompliment! 

    

Betrachten wir einige Newcomer der Branche aus der Türkei, mit sehr ähnlicher Ware, sprechen auch diese von "Porzellan", obwohl der Glasurbrand lediglich bei 1.200 °C erfolgt. Eine mangelnde Schnittfestigkeit haben wir übrigens schon bei ersten laienhaften Tests feststellen müssen. Nach Pukall, Friedl & VKI ist auch dies kein Porzellan! 

 

Bei weiteren Reisen um die Welt, nach Indien, Vietnam, Thailand, Indonesien und - natürlich und vor allem - nach China treffen wir vielfach auf Hersteller keramischer Erzeugnisse, die ihre Ware vehement als Porzellan bezeichnen, obwohl die Brenntemperatur unterhalb von 1.300 °C liegt. Aus fachlicher Sicht ist diese Bezeichnung definitiv falsch!  

 

 


 

Warum gibt es überhaupt Durable Porcelain?

 

Die Industrie ist ständig auf der Suche nach neuen Ersatzstoffen für das hochwertige und teure Kaolin. Auch das Absenken der Brenntemperatur spart erhebliche Kosten. Ob dies der Motivation "Umweltschutz" zuzuschreiben ist, mag bezweifelt werden. Würde man eine Langzeit-Umweltbilanz von Porzellan zu Durable vornehmen, wäre es mit dem Thema Nachhaltigkeit schon schwieriger. Hartporzellan hat aufgrund seiner härteren Glasur eine wesentlich geringere Glasurkorrosion und damit eine höhere Lebensdauer. 

 

Auf den ersten Blick sind Durable-Geschirre, Alumina Vitrified Tableware u.v.a. für den Gastronomen regelrecht der Hammer! Reaktive Glasuren, strahlende Dekorfarben und eine fast unglaubliche physische Resistenz gegen mechanischen Schlag vereinen modernen Trend, den Geist der Zeit und eine innovative Formensprache. Viele dieser Hersteller machen ganz viel richtig.  

 

 

 

 


 

Durable in der Gastronomie

 

Eine geringere Glasurhärte mindert die Schnittfestigkeit von Flachteilen (Teller und Platten) und begünstigt eine schnellere Glasurkorrosion. Der Zeitgeist wird jedoch nicht von diesem Wissen bestimmt, sondern von Trend, Geschmack und Alleinstellung. Gerade die junge Gastronomie  "steht" auf moderne Designs und Farben und findet sich vor allem im Durable-Porzellan wieder. 

 

Im Langzeiteinsatz jedoch steht die Wichtigkeit der mechanischen Resistenz erst an zweiter Stelle nach Schnittfestigkeit und einer spürbar schnell voranschreitenden Glasurkorrosion. Die Erzfeinde des Durable-Geschirrs sind chemische Spülmittel und die Gewerbespülmaschinen. Diese Erkenntnis aus der Härtedefinition nach Mohs ist selbstredend. Man mag darüber streiten, ob der Teller dank seiner mechanischen Widerstandskraft überhaupt so "alt" geworden wäre, dass Korrosion eintreten kann, aber dem Gast eröffnet sich dann - vor allem bei weißem Durable-Geschirr - ein ziemlich hässliches Bild. 

 
 
Durable - genauso wie Vitreous China und Arcopal-Hartglas-Geschirre - haben in der Gastronomie ihre klare Berechtigung! Überall dort, wo die mechanische Beanspruchung höher ist als ein Langzeitnutzen, kann bruchresistentes Geschirr zum Einsatz kommen. Besser ein keramisches Geschirr, als Melamin, Plastik oder Kunststoff, denn das ist nun ganz und gar nicht im Sinne des neuen Zeitgeistes! Durable ist eine Alternative zum Hartporzellan und einer von zwei Erzrivalen. 
 
 
 

 


 

 

Durable bei Holst Porzellan

 

Standardmäßig führen wir (Stand 2019/2020) in unserer Eigenkollektion drei unbedeutende Artikel der Güteklasse "Durable". Vor 2 Jahren haben wir uns entschieden, mit dieser Güteklasse Langzeittests und Beobachtungen durchzuführen. Das Sortiment "Durable" werden wir jedoch nicht weiter ausbauen. Wir sehen einen wesentlich höheren gastronomischen Nutzen in den Güteklassen "Alumina-Porzellan", "High Alumina" und "Ultra Alumina" und natürlich im klassischen Sortiment "Hartporzellan".  

 

Diese drei Alumina-Porzellanarten entsprechen durch ihre Brenntemperatur und ihre Rohstoffkomposition dem "echten" Hartporzellan und bieten dem Anwender zusätzlich die mechanische Stabilität des Durable-Geschirrs. 

 

 

 

Hinweis: Zur besseren Unterscheidung der keramischen Arten lesen Sie auch unseren Beitrag: Güteklassen der Keramik.