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Brand & Qualität

Brand & Qualität

 

 

Obiges Video aus unserer Warenkunde "Brand & Ofen" soll anschaulich machen, worauf es auf dieser Seite ankommt! Auf den unbestreitbaren Zusammenhang von Brenntemperatur und Qualität!  Wir fassen in einem Zeitraffer die für diesen Zusammenhang relevanten Ereignisse hier zusammen.

 


 

1890 - Ein Blick zurück in die Geschichte

 

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(Philip Rosenthal. Quelle: Familie Rosenthal)

 

Nach dem II. Weltkrieg, in den 1950er Jahren, entwickelt sich vornehmlich die deutsche Porzellanindustrie zu einem international bedeutendem Wirtschaftszweig. China, die weltweite Nummer Eins in Sachen Porzellan, ist weit weg und für Europa unerreichbar. Es ist ein Privileg und eine Ehre, Porzellan herzustellen und mit seinem Familiennamen zu kennzeichnen. Rosenthal, Seltmann, Vohenstrauß, Kronester, Villeroy & von Boch - hinter all diesen Marken stehen Unternehmer, Visionäre und Familien, die diese aufgebaut haben. Gerade diese Ehre untersagt es, wie das Reinheitsgebot des Bieres von 1516, an den edlen Zutaten echten Porzellans etwas zu verändern. Die Bandbreite an Massen und Additiven ist zudem sehr beschränkt und man zählt durch die Holz und Kaolinvorkommen zu einem Rohstoff orientierten Industriezweig. Ob nun Edelmarke, Bavaria Germany oder Frankonia Geschirre, da wo Porzellan dran steht, ist auch wirklich Porzellan drin.   

 


 

1973 - Die erste Krise

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(Porzellanfabrik Winterling Kirchenlamitz. Quelle: Familie Holst)

 

Zwischen 1950 und 1972 boomt der Industriezweig im Fichtelgebirge, bringt wichtige Arbeitsplätze und schafft eine solide Infrastruktur durch ERP-Mittel in der sonst so öden und strukturschwachen Region. Jedes Jahr erreichen die Fabriken höhere Produktionsmengen und es gibt ein scheinbar unaufhaltsames und unaufhörliches Wachstum. Bis zur Ölkrise 1973! Da gibt es den ersten Infarkt, der 20 bis 30 Jahre später quasi den gesamten Industriezweig in Deutschland auslöschen wird. Der Nachkriegsbedarf ist gedeckt und die Herstellung von Porzellan wird auf einen Schlag kostensensibel.

 


 

1990 - Der internationale Wandel

 

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Auf der Suche nach immer billigeren Standorten für die Porzellanherstellung fällt man wie ein Schwarm Heuschrecken über die europäischen Nachbarländer her. Rosenthal über Polen, Winterling über Portugal und Ungarn, Hutschenreuther über Rumänien u.v.a.. Wird ein noch billigerer Standort gefunden, baut man schnell die Fertigung ab, oder lieber noch, man hinterlässt einfach alte Produktionsstätten und baut mit reichlich Subventionen vom deutschen, bzw. bayerischen und thüringischen Staat neue Fabriken auf, denn Deutschland ist inzwischen auch mit den EX-DDR Fabriken angereichert. Auf immer weniger Bedarf kommen immer höhere Produktionsmengen. Aus Deutschland und aus allen Herren Ländern. Hinzu kommt, dass die Beliebtheit von dekoriertem Porzellan stark rückläufig ist und die Formenvielfalt Einzug auf Tische und Tafeln nimmt.

 

Energie ist teuer geworden, Kaolin wird knapp und die Industrieform für nur eine Tellergröße kostet ungefähr 14.000,-- Euro. Die einstigen Marken von früher, Rosenthal, Winterling, Mitterteich & Co. allesamt pleite, als Marke ausgeschlachtet oder verkauft. Handelsmarken wie Asa, Flirt, Domestic oder Holst u.v.a. schaffen Trends und lassen z. T. in den gleichen Fabriken fertigen, wie Wedgewood, Villeroy & Boch oder Hermes.  Zu den enormen Produktionskapazitäten Europas kommen nun auch die Türkei und China hinzu. Der Markt nimmt an Schärfe zu und immer neue Marktteilnehmer von außen verändern den Codex dieser Branche. 

 


 

2013 - Der Mogel beginnt

 

Stoneware-as-Porcelain

 

Auf Antrag der europäischen Hersteller verhängt die Europäische Union 2012 Strafzölle auf Porzellan aus China. Porzellan aus Portugal, der Türkei und Polen besiedeln die Regale bei Ikea & Co.. Trotz globaler Preissteigerungen und Rohstoffknappheit will Porzellan einfach nicht teurer werden. Personal ist bereits abgebaut, die Prozesse rationalisiert, aber es wird kaum noch Geld verdient. Auf allen Seiten.

 

Der Branchencodex ist verflogen, es wird geraubt und kopiert was das Zeug hält und jeder kämpft nur noch um das eigene Überleben. Der Begriff "Porzellan" hat sich inzwischen so weit verändert, angetrieben von mangelhaft ausgebildeten Personal, dass heute kaum noch jemand unterscheiden oder definieren kann, was ist eigentlich Porzellan:

  • Durable China
  • Diamant China
  • Dynamite China
  • Magnesium Porzellan
  • Bone China
  • New Bone China
  • Fine China
  • High Fine Bone
  • Ivory China 
  • Dura Cream
  • Luxor Cream
  • Stoneware
  • Earthenware
  • Feine Erden
  • Fayance
  • Alumina Porzellan
  • High Alumina
  • u.v.m.

Negativbeispiel-Steelite

 

Die Qualität und die Eigenschaften dieser Scherbenarten sind sehr unterschiedlich, aber auf den ersten Blick nicht erkennbar. Der vermeintliche Branchenkenner mag durch den mit seinem geschnipptem Fingernagel erzeugten Ton an einem Teller erkennen, ob es sich um eine gebrannte oder eine hochgebrannte Scherbe handelt. 5 von 10 Wetten würde er aber dabei verlieren. Der erfahrene Branchenkenner analysiert den unglasierten Bodenring und kann Porzellan von Stoneware anhand des freiliegenden Scherbens durch Farbe und Porosität unterscheiden. Vorausgesetzt, der Scherben ist nicht pigmentiert!  So würde er nur 3 Wetten von 10 verlieren.

 

Auf diese Weise gelingt es großen Marken und windigen Importeuren gleichermaßen, dem Händler und dem Endkunden minderwertige, mindestens jedoch eine anderswertige Keramik "anzudrehen".  Erst nach mehrmaligen Gebrauch zeigt sich dann, ob die Haltbarkeit, der Glanz und die Langlebigkeit von echtem Hartporzellan erreicht wird, oder auch nicht. 

 

Dann passiert oft das, was Sie auf obigem Bild erkennen. Die Glasur ist stark korrodiert, Schneidspuren und Besteckabrieb haben die Glasuren abgetragen und der Teller hat seine Schönheit und seine hygienischen Eigenschaften vollkommen verloren. Sein Anbieter, eine bekannte englische Marke mit internationalem Anspruch, bewirbt dieses "Porzellan" mit dem Zusatz "... besonders haltbar und unempfindlich...".

 


 

 

Das ist Porzellan

Persönliches Schlußwort des Autors

 

QC-by-Holst

 

In den mehr als 37 Jahren, in denen ich mich persönlich mit Porzellan befasse, haben mir gelegentlich weder meine Ausbildung, noch die mehr als 60 Jahre Unternehmenserfahrungen helfen können, echtes Hartporzellan zweifelsfrei zu bestimmen. Einigen ganz ausgefuchsten Herstellern ist es tatsächlich schon mal gelungen, selbst uns minderwertige Qualität unterzujubeln. Den Schaden daraus haben wir - habe ich persönlich - teuer bezahlt. 

 

 

Auf der Suche nach dem ultimativen Gütesiegel, dem Garantiekennzeichen und dem größten gemeinsamen Vielfachen war die Lösung so simpel, dass sie fast schon zu einfach und schnell vergessen war. 

 

 

Es ist die Brenntemperatur! 

 

 

Der markante Punkt, an dem Feldspat, Clay, Kaolin und Quarz durchsintert und zu haltbarem, gutem Qualitätsporzellan wird, lautet > 1.300° C! Alles darunter ist kein Hartporzellan. Unterhalb von 1.300 Grad lässt sich eine Mohssche Härte von > 8 nicht erreichen. Der bei 1.240 ° C gebrannte Scherben und seine Glasur im obigen Bild ist zwar "durable" und überaus resistent gegen mechanischen Schlag, aber seine Oberfläche ist weich wie Kaliglas mit einer Härte < 6. Jeder Spülgang verringert das Leben eines solchen Tellers deutlich. Chemische Nachtrocknung, wie sie in großen Spülstrassen angewendet wird, lassen den Scherben in wenigen Monaten unansehnlich und unbrauchbar korrodieren.

 

Achten Sie beim Kauf von "Porzellan" auf eine Brenntemperatur von mindestens 1.300° Grad, dann haben Sie lange etwas davon.

 

Ihr

Knud Holst