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Definition Porzellan

Definition Porzellan

 

Porzellan - das weiße Gold! Aus Sand, Steinen und irdenen Stoffen geschaffen, geformt und im Feuer geschrumpft und gebrannt, so entsteht das "Weiße Gold". Kaum ein Werkstoff bietet so viele unterschiedliche Qualitäten unter einem Namen wie das Porzellan. Chromstahl, Kupfer, Silber Gold und Platin bezeichnen fast selbstredend ihren Unterschied zueinander und schaffen so eine Rangordnung in der Preiserwartung des Käufers. Früher waren es die adeligen Namen, die dem Porzellan ihren Wert verliehen haben und mit ihrem Namen als Garant für eine hohe Qualität gestanden haben. Heute ist das anders! 

 


 

Eine einwandfreie, mit juristischer Sicherheit anwendbare Definition von "Porzellan" ist schwierig, zumal feststehende Industrie-Normen (DIN) und entsprechende Überwachungsorgane fehlen. Porzellan ist zwar rein wissenschaftlich aus der Materiallehre dokumentiert, wird aber vielerorts mangels Fachwissens und wirtschaftlicher Bedeutung des Wirtschaftszweiges nicht vertiefend definiert. Mag sein, dass dieser Umstand dem handwerklichen Ursprung der Herstellung geschuldet ist, oder die Verwendung von Porzellan als Lebensmittelbedarfsgegenstand inzwischen überaus strengen Richtlinien untergeordnet ist. 

 

Ferner wird die Bezeichnung "Porzellan" in einigen Ländern unterschiedlich von der herkömmlichen Stoneware abgegrenzt. In den meisten Fällen ist dies auf eine Kuriosität zurückzuführen: Der Bisquitbrand wird in einem höheren Temperaturbereich gefahren, als der Glattbrand (Hochbrand) - der diesen Namen aufgrund eben dieser Kuriosität nicht verdient hat. Porzellan - um es von anderen Arten der Keramik zu unterscheiden - ist in seinen zwei Hauptbestandteilen zu analysieren: Der Scherbe (als hoch gebrannte Masse) und der Glasur. Die Glasur des Porzellan entspricht in ihrer Zusammensetzung dem Glas und ist daher einfacher wissenschaftlich zu definieren.

 

Obwohl man handelsüblich gerne vom "Feldspatporzellan" spricht, besteht die Porzellanscherbe im Grunde ebenfalls aus circa 65 bis 80% Glas, dem Millionen winzige Mullit- und Quarzkristalle eingebettet sind. Das erklärt übrigens, warum "echtes" Porzellan einen transparenten Lichtfluss zulässt und unterscheidet sich vor allem mit dieser Eigenschaft von anderen keramischen Stoffen. Feldspat - einem wichtigen Rohstoff des Porzellan - ist ein Silikat Mineral, das zur Familie der Mischkristalle zählt und einen transparenten, mit Spaltrissen durchzogenen Gesteinsaufbau aufweist und zur Transparenz des Porzellans beiträgt.  

 

 

Scherbenhaufen

 

 

 

Definition Porzellan  

 

Der Verband der Keramischen Industrie e.V. definiert Porzellan: "...hundert Hände sind notwendig, um ein Porzellanstück anzufertigen. Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit sind Voraussetzung wertvoller Porzellanteile. Sie entstehen im Rahmen eines vielfältigen, wohldurchdachten Fabrikationsverfahrens. Nach dem Glühbrand im Brennofen erhält das Porzellan dann bei ca. 1.400° C seinen Glasurbrand. Hierbei ist das Material zahlreichen Zufälligkeiten - wie z. B. Eigenart der Rohstoffe, Einfluss des Feuers - ausgesetzt. Die Formengestaltung erfolgt auch heute noch trotz der maschinellen Möglichkeiten weitestgehend durch Handarbeit. Natürliche Rohstoffe sind sorgfältig von Menschenhand verarbeitet. Das jedoch ergibt gerade den Wert der erzeugten Produkte. Geringe Abweichungen in Farbe, Form und Stärke sind daher möglich und produkttypisch..."

 


 

Labor

 

Der Chemiker definiert Porzellan: "... aus der Materiallehre - also rein chemisch - zählt Porzellan zur Gruppe der Silikat Keramik. Silikat Keramik, als älteste Gruppe aller Keramiken, hat einen dominierenden Anteil an den feinkeramischen Erzeugnissen. Wesentliche Bestandteile dieser mehrphasigen Werkstoffe sind Ton und Kaolin, Feldspat und Speckstein als Silikatträger. Daneben werden auch Komponenten wie Tonerde und Zirkon zur Erzielung spezieller Werkstoffeigenschaften, z. B. hoher Festigkeiten, verwendet.

 

Im Sinterbrand entsteht neben den kristallinen Phasen meist ein hoher Anteil (> 20 %) an Glasphase, deren wesentlicher Bestandteil Siliciumoxid (SiO2) ist. Wegen relativ niedriger Sintertemperaturen, guter Prozessbeherrschung und hoher Verfügbarkeit der natürlichen Rohstoffe ist die Silikatkeramik wesentlich kostengünstiger als Oxid- oder Nichtoxidkeramik. Letztere benötigen aufwändig hergestellte synthetische Pulver und hohe Sintertemperaturen.

 

Silikatkeramik kommt z. B. in der Wärmetechnik, der Mess- und Regeltechnik, der Verfahrens- und Umwelttechnik, der Hoch- und Niederspannungstechnik mit typischen Anwendungen, wie Isolatoren, Sicherungspatronen, Katalysatoren, Gehäusen sowie bei vielfältigen Anwendungen in der Elektroinstallationstechnik zum Einsatz. Silikatkeramik findet sich weiterhin im Feuerfestbereich wieder. In Porzellan müssen die Mineralphasen Mullit (Alumosilikat) und Quarz bzw. Tonerde sowie im Knochenporzellan zumindest Ca-Phosphate einwandfrei nachweisbar sein.

 

Erst Kombination von Materialien (Rohstoffen) und einer ausreichenden Brenntemperatur lässt "echtes" Porzellan entstehen. Ab oberhalb von 1.300 ° C kann die Glasur des Porzellan ausschmelzen und die darunter liegende Masse durchsintern. Nur so entsteht die für Porzellan so prägnante Härte und Festigkeit des Scherbens.

 


 

Die zollrechtliche Definition für die Tarifgruppe 69.111.xxx - zutreffend für Porzellan - kann für eine eindeutige Materialbestimmung nicht herangezogen werden - wie es einige spitzfindige Marktteilnehmer für eine falsche Deklaration ihrer Angebote missbrauchen. Die Tarifierung erfolgt ausschließlich zur Bestimmung von Ein- bzw. Ausfuhrabgaben und ist nach eigenen Angaben kein Zertifikat für "die chemische Bestimmung von Porzellan". Dem zu Grunde liegend wurde 1972 die Verordnung EWG Verordnung 679-72 verabschiedet und 1991 durch das Auftauchen neuer Materialien (z.B. Vitrous) um die Verordnung 2080-91 ergänzt. Beide Verordnungen finden Sie in unserer Warenkunde unter Normen und Vorgaben. Im Wesentlichen unterscheidet sich die chemische (branchenübliche) Definition dadurch, dass der Zoll die Eigenschaften des Porzellans mit "oder" definiert und nicht wie der Chemiker mit "und": 

 

  • •    Chemiker: Rohstoff und (+) Brenntemperatur = Porosität, Härte und Lichtdurchlässigkeit
  • •    Zoll: Rohstoff, oder Porosität, oder Härte oder Lichtdurchlässigkeit

 

Der Zoll sagt also "... unter Porzellan versteht man Hartporzellan, Weichporzellan, Biskuitporzellan (einschließlich Parian) und Knochenporzellan. Diese keramischen Erzeugnisse sind vollständig verglast, hart und auch unglasiert nicht wasserdurchlässig, weiß oder künstlich gefärbt, durchscheinend (sofern sie nicht von erheblicher Dicke sind) und nachklingend. Hartporzellan wird aus einem Gemisch von Kaolin, Quarz, Feldspat und manchmal Calciumcarbonat hergestellt. Es ist mit einer farblosen und durchsichtigen Glasur überzogen, die gleichzeitig mit dem Brennen der Masse hergestellt wird und dadurch fest mit dieser verschmolzen ist.

 

Weichporzellan enthält weniger Tonerde, aber mehr Kieselsäure und Flussmittel (z. B. Feldspat), während Knochenporzellan, das noch weniger Tonerde enthält, durch Beigabe von Knochenasche mit Kalziumphosphat angereichert ist und bei niedrigeren Temperaturen als Hartporzellan durchscheinend gebrannt werden kann. Die Glasur wird im Allgemeinen vor einem zweiten Brennvorgang bei noch niedrigerer Temperatur als bei Hartporzellan aufgebracht, wodurch man eine größere Verschiedenartigkeit der Verzierungen unter der Glasur erreichen kann.

 

Biskuitporzellan ist ein mattes (unglasiertes) Porzellan. Parian (manchmal auch Carrara-Porzellan genannt) ist eine Abart des Biskuitporzellans mit hohem Gehalt an Feldspat, feinkörnig und mit leicht gelblicher Tönung; sein Aussehen erinnert an parsischen Marmor, von dem sich sein Name herleitet.

 


 

Die Definition des Porzellans bei Wikipedia ist leider durchzogen mit unvollständigen und teils unrichtigen Feststellungen. Demnach wäre "ostasiatisches Porzellan" ungefähr doppelt so hart wie "Bayrisches Geschirrporzellan" (siehe Bild unten). Ein Wunder das unsere deutschen Premiumhersteller darüber noch nicht auf die Barrikaden gegangen sind.  

 

2019-07-Wikipedia-Quarz

(Quelle: Wikipedia)

 


 

Warum ist die Definition von Porzellan so wichtig?

 

Keramik und Porzellan weisen sehr unterschiedliche Eigenschaften auf und lassen sich leider vom Verbraucher beim Kauf kaum voneinander unterscheiden. Die Scherbe des Porzellan hat eine quasi lebenslange Stabilität und ist resistent gegen Alterung, Korrosion, Verfall oder Beschädigungen, die aus einer bestimmungsmäßigen Verwendung herrühren; sie ist wasser- und säurefest, UV- und lichtfest, zersetzungsfrei und witterungsbeständig, kratzfest, schnittfest, ofenfest, mikrowellengeeignet, spülmaschinenfest und unterbindet die Verbreitung von Bakterien und Keimen wie kein anderes Material. Die hohe Dichte von Porzellan verleiht der Scherbe eine höhere physikalische Stabilität und eine bessere Temperaturspeicherung. Porzellan hält besser und länger warm als Keramik. Porzellan ist ein höherwertiges Material als Keramik - und die Herstellung von Porzellan ist teurer als die der Keramik.

 

Merke: Geschirr ist nicht immer Porzellan, aber Porzellan immer Geschirr!

 

Diese Angaben beziehen sich auf Porzellan und Keramik für Tisch- und Tafel. Auf Abweichungen in der technischen Keramik sei besonders hingewiesen. Bitte lesen Sie weiter, wie entscheidend sich die Brenntemperatur auf die Qualität des Porzellan auswirkt: Ofen, Brand und Qualität.

 


 

Gewerbetaugliches Porzellan ist...

 

Schock-Test-High-Alumina

 

Eine Warenkunde wäre wertlos, wenn am Ende der Leser genauso schlau ist, wie vorher! Es gilt festzustellen, dass die Definitionen von Porzellan, Hartporzellan, Weichporzellan u.a einen möglichen Auslegungsspielraum bieten, der gewitzten oder unwissenden Anbietern die Möglichkeit bietet, minderwertige Keramik (oder Weichporzellan) als Porzellan auszuloben.

 

Deshalb definieren wir von Holst Porzellan für Sie, die Anwender aus Hotellerie und Gastronomie, Kantinen, Gemeinschaftsverpflegung, Krankenhäusern und Pflegeanstalten, Mensen, Partyservice und für alle Freunde anspruchsvoller Gastlichkeit gewerbetaugliches Porzellan wie folgt: 

 

  • bei mindestens 1.300 ° gebrannt,
  • hat eine Oberflächenhärte von mindestens 7,5 Mohs,
  • ist kratzfest, korrosionsfrei, säurefest, 
  • spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet,

 

Porzellan ist...

  • Bone China
  • Feldspatporzellan
  • Hartporzellan
  • High Alumina Porzellan

 

Keramik ist...

  • Bone China
  • Feldspatporzellan
  • Hartporzellan
  • Weichporzellan
  • High Alumina Porzellan
  • Durable China
  • Diamant China
  • Dynamite China
  • Magnesium Porzellan
  • New Bone China
  • Fine China
  • High Fine Bone
  • Ivory China 
  • Luxor Cream
  • Stoneware
  • Earthenware
  • Keramik
  • Hartkeramik
  • Feinkeramik
  • Feine Erden
  • Fayance
  • Alumina Porzellan

 


 

 

Wie erkennt man als Nicht-Spezialist (gewerbetaugliches) Porzellan?

 

  • Porzellan hat eine weiße Scherbenfarbe. Suchen Sie eine unglasierte Stelle (z.B. den Stellring am Boden). Ist die Farbe gräulich, bräunlich oder gelblich, ist es Keramik. Sehen Sie dazu auch unsere Vergleichsbilder unten.
  • Porzellan hat eine minimale Porosität. Die Stellringe und unglasierten Flächen müssen ganz glatt sein.
  • Porzellan hat einen hohen, hellen Klang. Stellen Sie einen Teller auf Ihre Hand und schnippen mit dem Finger der anderen Hand gegen den Rand. Ist der Klang dumpf, ist es Keramik. Diese Methode ist aber eher geübten Anwendern vorbehalten.
  • Porzellan ist dichter und schwerer als Keramik. Vergleichen Sie einen gleich großen und dicken Teller.
  • Porzellan ist kratzfest. Schneiden Sie mit einem gebrauchten Messer auf der Unterseite hin- und her. Es dürfen keine Schneidspuren zu sehen sein.
  • Empfehlung im Zweifel: Lassen Sie sich - vom Anbieter die Qualität "Porzellan > 1.300 ° C" schriftlich garantieren und nehmen in so in die Kataloghaftung.

 

 

Scherbenfarbe_Porzellan_Maxima-tn Scherbenfarbe_Porzellan_Skagen-tn Scherbenfarbe_Steinzeug_C-tn Scherbenfarbe_Steinzeug_M-tn
Porzellan 1.350 ° C Porzellan 1.400 ° C Stoneware 1.260 °C Keramik 1.210 ° C

(zum Vergrößern auf das Bild klicken)

 

 


 

Kleine Entlastung für den Fachhandel

 

Fachkräftemangel an allen Ecken und Enden - an jedem zweiten Ladenlokal ist zu lesen "Verkaufskraft gesucht". Der Job ist nicht mehr Beruf, Mehrbelastung der Mitarbeiter durch Stellenabbau und kaum jemand ist zeitlich noch in der Lage, sich in die Tiefe zu lesen. Als Fachkraft im Zuliefererbereich von Hotellerie und Gastronomie müssen Sie mindestens 18 Warengruppen kennen, mehr als 3.000 Lieferanten betreuen und etwa 13.000 Artikel pflegen. Die Räder drehen sich so schnell, dass es einem Mitarbeiter mit Leistungserwartung kaum noch möglich ist, dem Pensum der Warenkunde hinterher zu kommen - zumal man das nicht in Verkaufserfolg, Prämien und Provisionen rechnen kann.

 

Früher waren die Hersteller Garanten für Qualität, Produktbeschreibungen, Informationen und Anwendungsberatung. Doch was passiert, wenn die Marke nicht mehr selbst Produzent ist - selbst unter Kostendruck und Personalmangel steht - oder als Importeur eine Vielzahl von verschiedenen Warengattungen unter einem Logo führt? Da kann es schnell passieren, dass man "Porzellan" meint, aber Keramik vorliegt, vielleicht sogar einem Herstellermogel selbst zum Opfer fällt und unwissend Keramik als "Porzellan" verkauf.

 


 

Airbag für den Porzellaneinkauf

 

Holst Porzellan/Germany steht für korrekte Qualität und korrekte Information! Jeder einzelne Artikel in unserer Kollektion wird mit Materialart und Brenntemperatur angegeben. Das schafft nicht nur Vertrauen, sondern auch zufriedene Stammkunden - und das schon seit 1928! 

 

Lesen Sie weiter: High Alumina Porzellan - härter, besser und stabiler als herkömmliches Hartporzellan!