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Qualitätsstufen

Handelsübliche Qualitätsstufen des Porzellan


 

 

QC-Good

 

Die Qualitätseinstufung von Porzellan und keramischen Geschirren erfolgt nach Sortierkriterien. Erst nach dem Hartbrand (Glattbrand) - bei dekoriertem Porzellan nach dem Dekorbrand - lässt sich die Qualitätsausbeute einer Produktionscharge erst bestimmen. Egal ob nun eine vollautomische Massenherstellung, oder eine traditionelle Herstellung als Handarbeit, Porzellan unterliegt in während seiner Entstehung einer Unmenge von Fehlerquellen. Erst die Sortierung schafft das wirkliche, fehlerfreie Qualitätsporzellan. Doch Beurteilung und Wahrnehmung von Qualitäten sind sehr individuell und werden auch unterschiedlich ausgelegt.

 

Die meisten Hersteller verwenden eigene Qualitätsklassen (z.B. I., II., III., und IV. Wahl), deren Verständlichkeit oft nur "Insidern" vorbehalten ist. Entscheidend ist, ob und wie viel Anteile in welchem Verhältnis fehlerhafte Artikel der I. Wahl beigemischt werden. Die gängigen Gruppierungen finden Sie auf diese Seite. Hinter der Ofentür ist jedes Porzellan gleich! Egal ob mit, ohne, mit grüner oder blauer Bodenmarke, mit Wappen, Ornament, Schwertern oder Zepter, sie alle bestehen aus irdenen Rohstoffen und haben einen Hartbrand von mehr als 1.300 °C hinter sich. Die Qualität eines Porzellangeschirr entscheidet sich nur durch die Sortierung. Sicherlich lässt sich eine Faustregel ableiten die besagt, je höher der Preis, desto besser ist die Sortierung. 

 

 

 Windsor

 

 

Schon ein Besuch der königlichen Geschirrausstellung auf Schloß Windsor Castle (England) beleht uns aber eines Besseren. Nahezu unbezahlbare Exponate aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert belegen, dass Qualität nicht zwingend mit einer hohen Qualität verbunden sein muss. Würden wir heute beispielsweise in der Qualität des Geschirr "Brunswick" von Fürstenberg aus dem Jahr 1773 liefern - Schätzwert rund 2,5 Millionen Englische Pfund - wäre wohl jeder Kunde verärgert und würde uns eine super schlechte Bewertung erteilen.

  

Richtiger wäre wohl eher die Fausformel, je moderner der Maschinenpark, desto besser ist die grundsätzliche Qualitätsaubeute einer sog. Ofensortierung, engl. "ROK" (run out of the kiln).   

 

 

 


 

 

 

I. Wahl / First Choice

 

Eine ausgelobte erste Wahl -A-Ware I. Wahl - ist ein Porzellan, das absolut frei von jeglichen Mängeln ist. Ausgelobte I. Wahl muss von Hand, teilweise unter Mithilfe von technischen und optischen Geräten, auf Fehlerlosigkeit genauestens kontrolliert werden. Da in der Warenkontrolle sowohl Verformungen, Anordnung von Schnaupen und Henkeln, als auch Glasuren, Oberflächen, Stellringe und Borde einzeln geprüft werden müssen, ist dieses Verfahren überaus teuer und aufwendig.

 

Je nach Marken- oder Produktanspruch kann die Kontrolle eines einzelnen Artikels sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, so dass es Endkontrollen gibt, die pro Mann & Schicht nur 150 Teile und weniger abwickeln können. Da die I. Wahl kaum noch vom Verbraucher "bezahlt" werden will, schwindet der Marktanteil dieser Sortierung seit Jahren stark.

 

Im Segment des Hotelporzellan findet man eine ausgelobte I. Wahl so gut wie nicht mehr, geschwige denn die Kunden, die einen solchen Preis dafür bezahlen würden. Deswegen halten wir es für bedenklich, dass einige Hersteller sog. Kantenschlagsgarantien auf die I. Wahl zu beschränken. Ein kleiner Punkt oder Nadelstiche auf der Glasur haben keinerlei Auswirkungen auf die Dichte oder Stabilität des Scherben

 

Dennoch behaupten gerade kroatische, türkische, oder italienische Fabriken, sie würden ihre Artikel nur in "erster Wahl" liefern! Dies ist aus unserer Sicht - oder nach deutschen Kriterien - etwas irreführend, denn die Teile an sich sind meist dickwandig und eher grob gefertigt. Die Glasuren weisen kleine Nadelstiche auf, die Stellringe sind nicht exakt poliert und der "Glanz der Ware" oft nicht so, wie bei einem Markengeschirr.

Eine uralte Regel lautet übrigens, "die erste Wahl bezahlt grundsätzlich die zweite Wahl"!

 


 

 

Mischsortierung / Handelsübliche Sortierung / Commercial Choice / a-b grade

 

Hierbei handelt es sich um die gängigste aller Sortierungen der Porzellanbranche, vor allem im Segment des Hotelporzellan und Gastronomiegeschirr. Wie der Begriff schon ausdrückt, ist die Qualität der Ware "gemischt" - der guten Ware liegt also immer leicht fehlerhafte Ware bei! Die Zusammensetzung von "gut" und "nicht gut" wird von Fabrik zu Fabrik unterschiedlicher gehandhabt. Bis heute ist diese Bezeichnung weder genormt, noch 100%ig nachvollziehbar. 

 
 
Ebenso verschieden sind die Preisnachlässe von der sog. I. Wahl zur Mischsortierung. Gerundet kann man sagen, dass der Preisvorteil zwischen 15 und 40% beträgt. Viele Marken erstellen schon gar keine Preislisten mehr für ihre für I. Wahl, sondern sind von vorn herein auf Mischsortierung ausgelegt. Bei allen gleich ist, dass die Komposition der Qualitäten gemischt ist, es gibt einen überwiegenden Teil "guter Ware" und eine Beimischung von fehlerhafter Ware. Aufgrund der unterschiedlichen Produktionsmethoden von Porzellan (Drehen, Pressen, Druckpressen, Gießen, und Druckgießen), die abhängig von der Formgebung des Artikels sind, entstehen auch unterschiedliche Fehler in ihrem Grad und in der Wahrnehmung. 

 
 
Einer großen, 3 Liter Terrine verzeiht man eine leichte Verformung eher, als einem Teller, den man zu mehreren Stücken übereinander stapelt. Für den überwiegenden Teil aller Fabriken gilt: Mischsortierung ist die preislich leistungsfähigste Sortierung und eine ordentliche Qualität. In jeder Mischsortierung kommen Fehler im Porzellan vor, die vom Handel und vom Kunden akzeptiert werden müssen. Als Faustregel gilt: Bei genauer Begutachtung der Ware sollte der Anteil fehlerhafter Ware 20% nicht übersteigen.

 


 

 

Ofensortierung / run out of the kiln

 

Die am einfachsten zu erklärende Sortierung: Es gibt keine! Das, was die Maschinen und der Ofen "ausspucken" wird ungeprüft verpackt und geliefert. Obwohl es die günstigste Qualitätsstufe von Porzellan darstellt - circa 25 bis 30% Nachlass auf die Mischsortierung - ist dies je nach Fabrik und Standard ein kostspieliges Wagnis, denn der Hersteller ist bei dieser Selektion frei von jeglicher Gewährleistung. Der Kunde muss die Sendung abnehmen, egal in welchem Maße und zu welchem Anteil Fehler enthalten sind.

 


 

 
Fehlware / B-Ware / 2. Wahl / II. Qualität

 

 

Das Geschirr weist sichtbare, z.T. erhebliche Fehler auf. Meist sind Glasuren schadhaft, haben Nasen, Verläufe und Eisenflecke, oder der Scherben zeigt Deformierungen. Wie erheblich der jeweilige Mangel ist, obliegt dem Betrachter.

 

In Anbetracht des geringen Preises ist es aber oft lohnend, Fehlware zu kaufen, denn meist verändert der Mangel an sich nicht die Funktion oder die Gebrauchsfähigkeit eines Porzellanartikels. Ein Teller, der auf einem Volksfest für "Bierwürstl" eingesetzt wird muss nicht die Qualität von Manufakturwaren haben!

 


 

 

Spezialsortierungen

 

Über diese großen drei Gruppierungen hinaus, kreieren Hersteller oft sehr individuelle Bezeichnungen und vermitteln diese an ihre Kunden weiter; so gibt es z.B.

 

  • A bis F (AF)  Sortierung 
  • C-Qualität
  • II. bis IV. Wahl
  • Fehlware
  • C-Qualität
  • u.v.m.

Wenn Sie mit solchen Sortierkriterien konfrontiert werden, lassen Sie sich diese genau erklären. 

 


 

 

Wir von Holst Porzellan haben einen mit 85 Kriterien enthaltenen Bewertungsrahmen, mit den wir unsere Qualitätsstufen festlegen. Mehr dazu hier.