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Bestimmung

Bestimmung der Materialart von Porzellan und Keramik


 

Die Bestimmung der Güteklasse eines Geschirrteiles - hier beispielhaft "der Teller" - fällt auch einem Fachmann nicht immer leicht. In diesem Abschnitt beachsichtigen wir, einige allgemeingültige Unterscheidungsmerkmale aufzuzeigen, die relativ einfach zu handhaben sind und erste Erkenntnisse über die Art des Scherben und seiner Glasur zu erzielen. Bei der Ermittlung einer keramischen Güteklasse gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Arten von Merkmalen.

 

  1. Die sichtbaren Merkmale.
  2. Die unsichtbaren Merkmale.

 

Die Bestimmung der unsichtbaren Merkmale und den besonderen Eigenarten einer Ware bedarf einer chemisch- mineralogischen Untersuchung, für die auch wir labortechnische Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Dazu bdienen wir uns Fachuniversitäten, amtlich zugelassenen Untersuchungslabors oder auch dem TÜV und anderen Institutionen. Daher beschränken wir uns hier auf die sichtbaren Merkmale zur Bestimmung von Porzellan. 

 


 

 

Zum Verwechseln ähnlich!

 

Teller_Harmony_31_cm_HA_031_glatt_von_oben

 

 

 

Von oben betrachtet kann ein Keramikteller dem Porzellanteller wie ein Ei dem anderen gleichen. Sichtabre Unterschiede auf den glasierten Flächen gibt es keine.

 

 


 

 

Transparenz - Der Lichttest

 

Transparenz2

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Porzellan nach der wissenschaftlichen Definition ist transparent. Auch eine Tarifierung bezieht die Transparenz einer Scherbe mit ein. Porzellan - und im Besonderen Hotelporzellan - lässt sich jedoch nicht zweifelsfrei durch seine Transparenz im Tageslicht bestimmen; weder der Bauscherteller (im Bild oben), noch Holst Porzellan oder auch alle andere Marken. Im Absatz "Transparenz" erläutern wir diese Eigenschaft genau. Zur einwandfreien Bestimmung der Güteklasse "Porzellan" durch die Eigenschaft der Transparenz, schauen Sie bitte nachfolgendes Video. 

 

 


 

 

Dichte - Der Klangtest

 

Die Dichte eines Scherben lässt sich nur bedingt durch seine Klangfarbe bestimmen. Dem geübten Ohr gelingt es durch das Anschnippen eines Tellerrandes niedrig gebrannte Keramik, Steingut, Stoneware u.a. von Porzellan zu unterscheiden. Wie aber in unserem Video (Bild oben) deutlich wird, sind die Klangfarben für einen im Bisquitbrand oberhalb von 1.300 °C gebrannten Scherben, wie er bei der Feinkeramik oder auch beim Weichporzellan vorkommen kann, dem Porzellan sehr ähnlich, fast gleich.

 

 


 

 

Scherbenfarbe - Der Sichttest

 

Scherbenvergleich

(Zum Vergrößern Bild ankicken)

 

 

Der Sichttest zur Unterscheidung von Porzellan und anderen keramischen Güteklassen muss anhand einer unglasierten Stelle erfolgen. Dies ist i.d.R. der unglasierte Bodenring. Der unglasierte Bodenring zeigt den echten Scherben, so wie er ist. Ein mit 50% Kaolin (und mehr) gebrannter Scherben ist hellweiß und hat die selbe Farbe, wie die Glasur. Diese ist nämlich durchsichtig. Vorausgesetzt natürlich, die Glasur wurde nicht farbig, z.B. in ein rot, blau, schwarz oder einer anderen Farbe eingefärbt. Zeigt der Scherben eine andere Farbe wie im Bild oben rechts, dann handelt es sich nicht um hochgebranntes Hartporzellan! Die gewerbliche Gebrauchsfähigkeit ist dann bereits mit 90%er Sicherheit erheblich eingeschränkt.

 

Es gibt Hersteller, die ihren Scherben "verstecken", indem sie ein Brennverfahren nutzen, dass auch den Bodenring (Stellring) glasiert. Dies stellen wir vor allem bei einigen Vitreous-Porzellanen fest. Ist der Bodenring glasiert, hat der Laie keine Chance, die Güteklasse der Keramik selbst zu bestimmen. Wir dürfen aber versichern, dass nach der wissenschaftlichen und mineralogischen Lehre dieses "Vitro-Porzellan" nur ein Porzellanimitat ist. Schon rein dehalb sind dann im Grunde weitere Tests unnötig. 

 


 

 

Porosität - Der Gewichtstest

 

Je weniger Absorption ein Scherben besitzt, desto dichter und höher wurde er gebrannt und desto weniger Porosität liegt vor. Aus der Physik wissen wir, je dichter eine Masse, desto höher ist ihr spezifisches Gewicht. Das erklärt übrigens, warum echtes Hartporzellan immer schwerer ist, als die meisten Geschirr für zu Hause. Hochgebrannte Feinkeramik - wie in unserem Video oben - ist immer leichter als hartgebranntes Feldspatporzellan. Das liegt den Kaolin ersetzenden, weiß- oder gelb brennenden Tonen. Dem Laien gelingt die Unterscheidung von Güteklassen der keramischen Bestimmung durch Anheben eines Teller nur im direkten Vergleich, indem er abwechselnd einen gleich starken Porzellanteller und einen Keramikteller miteinander vergleicht. Ein Profi merkt es sofort, wenn er einen Keramikteller oder einen Porzellanteller in den Händen hält. 

 


 

 

Ritzhärte - Der Schneidtest

 

Eine sehr präzise Bestimmung der Güteklasse ergibt der"Ritztest" nach Mohs. Nach der "neuen" Einteilung über die mineralischen Härten nach Mohs (DIN-EN 15771) hat handelsübliches Besteck die Härte 3, maximal 4. Kann man also mit einem (nicht nagelneuen!) bereits mehrfach gespültem Messer einer beliebigen Besteckserie die Glasur ritzen, handelt es sich nicht um hartgebranntes Porzellan. Sofern Sie diesen Test einer Kaufentscheidung zu Grunde legen und diesen in einem Ladenlokal oder einer Messe vollziehen - seien Sie bitte fair - und machen Sie den Ritztest an einer "unauffälligen" Stelle auf der Unterseite eines Tellers.

  


 

 

Fazit

 

Die Bestimmung der Güteklasse eines Geschirrteils sollte nicht unmittelbar durch ein einziges, der o.g. Verfahren bestimmt werden. Die Herstellung von keramischen Artikeln erfolgt in zu vielen Ländern mit z.T. sehr unterschiedlichen Methoden, Rohstoffen und Abläufen. Aktuell wird auch viel ausprobiert, gemogelt, imitiert oder ungebildete Marktteilnehmer beziehen sich mit der Verwendung der Bezeichnung "Porzellan" für ein minderwertiges Material auf die zollrechtliche Tarifierung 

  • Lichttest
  • Klangtest
  • Sichttest
  • Gewichtstest
  • Schneidtest

In Kombination sind diese 5 Bestimmungsmethoden sehr präziese. Die sicherste Art Porzellan als "Porzellan" zu bestimmen ist jedoch eine schriftliche Bestätigung - (Kataloghaftung) - des Verkäufers. Lassen Sie sich eine Brenntemperatur von größer als 1.320 ° C und einen Kaolinanteil von mehr als 50% zusichern, dann kann nichts passieren.