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Bordglasur

Bordglasur - ein Begriff der Porzellan- und Keramikherstellung


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Der Begriff "Borde" ist ein sehr altes, deutsche Wort und heute nahezu kaum mehr gebräuchlich. Die "Borde" beschreibt den oberen Abschluss eines Körpers, an dem sich etwas anschließt. Davon abgeleitet nutzt die Schifffahrt beispielsweise den Begriff "an Bord". In der Sprache der Porzelliner wird als "Borde" der Obere Rand eines Hohlkörpers bezeichnet, also Schale, Tasse oder Becher. 

 

Die Bezeichnung "Bordglasur" oder "bordglasiert" ist ein konkretes Qualitätsmerkmal des Porzellan. Es bedeutet, dass der Mundrand vollständig glasiert - oder, je nach Wandstärke des Geschirrs, nachglasiert wurde. Bei den meisten Verbrauchern stellt dieses Qualitätsmerkmal zunächst kein kaufentscheidendes Kriterium dar - bis Teetassen oder Kaffeebecher am Mundrand fleckig werden und sich Rückstände von Ölen, Teein oder Coffein nicht mehr abspülen lassen.  

 

In der Hotellerie, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung ist die Bordglasur daher quasi eine Pflicht! Es darf nicht sein, dass sichtbare Rückstände - gerade im Bereich des oberen Mundrandes - verbleiben und dem Gast das Gefühl von Sauberkeit und Hygiene rauben.

 

Viele werden sich nun fragen, warum nicht alle Geschirrteile eine Bordglasur haben, oder glauben, dass Bordglasuren bei hochwertigem Porzellan immer gewährleistet ist. Ein Blick in Omas Geschirrschrank lehrt uns aber eines besseren: Selbst die teuren Teetassen von den alten Geschirren aus Meissen, Hutschenreuthers Dresdner Rose oder Rosenthals Maria Theresia haben keine Bordglasur auf den Teetassen! Auch viele Bone-China Teetassen hochwertiger Teemarken verzichten auf eine Bordglasur. Warum?

 

Die Antwort ist einfach und einleuchtend. Der Tassenhenkel hat im Vergleich zum Tassenkörper ein ziemlich hohes Gewicht. Brennt man nun die Tasse im Ofen auf dem Bodenring stehend, wird das Gewicht des Henkels das Rund der Tasse deformieren. Je nach Wandstärke des Scherben und Tassenform mal mehr oder weniger. Einfacher ausgedrückt: Die Tasse "verbiegt" sich und wird oval.

 

Brennt man aber die Tasse auf der Borde, also auf dem Mundrand, ist der Tassenkörper duch die größere Auflagefläche des Tassenkörpers vor Deformation geschützt. Es verbleibt so der unglasierte Mundrand. Viele Hersteller von Haushaltsporzellan - besonders bei dünnen Scherbenstärken - polieren die Borde nur nach.

 

Im gewerblichen Einsatz achten Sie bitte auf den Zusatz "bordglasiert". 

 

So wird auch der teilweise erhebliche Preisunterschied zwischen einer Teetasse und einem Kaffeebecher verständlich. Während man Trinkbecher vielfach problemlos im Monobrandverfahren herstellen kann, müssen hochwertige und "gute" Teetassen aus Porzellan bis zu 4 x gebrannt werden. Das Bestreben nach "Dünnwandigkeit" stellt dabei dem Porzellan durch seinen Hartbrand oft Grenzen. Weichere Keramikarten wie z.B. Bone China, New Bone China und andere Porzellanimitate  können zwar niedriger gebrannt werden und haben daher eine geringere Deformation , dafür aber eine deutlich geringere Dichte und eine geringere Härte.