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Schnittfestigkeit

Schnittfestigkeit

 

Oberflachenharte

 

Definition Schnittfestigkeit von Porzellan

 

Zunächst gilt festzustellen, dass der Begriff "schnittfest" in der keramischen Industrie ebenso wenig exakt (DIN-bzw. Norm-gerecht) definiert ist, wie die Bezeichnung "spülmaschinenfest". In der Sprachanwendung bezeichnet "schnittfest" beispielsweise bei Gemüse die Eigenschaft, dass sich dieses besonders gut schneiden lässt (z.B. bei Tomaten). Mit "Schnittfestigkeit" stellt die Porzellanindustrie also eine vollkommen gegenteilige Eigenschaft heraus als der Gärtner - nämlich dass sich die Ware nicht schneiden lässt. Wer schon einmal versucht hat, Porzellan durchzuschneiden wird schnell bemerken, dass auch diese Ableitung von "schnittfest" völliger Blödsinn ist.

Mit "schnittfest" meint die Porzellanindustrie, dass die Oberfläche einer Scherbe durch bestimmungsmäßiges Schneiden von auf ihr aufgebrachten Lebensmitteln nicht beschädigt wird. Die englische Definition "cut resistant" kommt dieser Qualitätsbezeichnung somit erheblich näher als die Deutsche, vor allem bei Gebrauch des Zusatzes "resistance to scratches and abrasion" (beständig gegen Kratzer und Abrieb). 

   


 

Schnittfestigkeit ist eine länderspezifische Beurteilung

 

Deutschland ist bekannt für sein Brot, Schnitzel und Haxen, Italien für Pizza, Spanien für seine Parillada. Der überwiegende Teil der europäischen Mahlzeiten wird selbst auf dem Teller geschnitten oder tranchiert. Diese Esskultur erfordert eine besondere Schneidfestigkeit des Geschirrs, wie sie in vielen anderen Ländern nicht notwendig ist. In China isst man alles (!) mit Stäbchen, in Thailand mit Löffel und Gabel, in Pakistan, Indien und Bangladesch mehrheitlich mit der Hand. Damit gilt festzustellen, dass "Schnittfestigkeit" - gemessen am Anteil der Weltbevölkerung - global nur eine untergeordnete Rolle spielt. Das erklärt den Umstand, warum so viel minderwertiges Geschirr auf dem Markt ist.  

 

Für den Kunden- und Verwenderkreis von Holst Porzellan spielt Schnittfestigkeit eine sehr bedeutende Rolle, sodass wir darauf achten, dieses Qualitätsmerkmal einzuhalten. Nur in ganz wenigen Sortimenten, wie z. B. der mediterranen Keramik oder dem Schieferporzellan erbeuten wir aus produktionsbedingten Gründen nur eine bedingte Schnittfestigkeit. 

 


 

Schnittfestigkeit von Holst Porzellan

 

 

Die Beurteilung und Bezeichnung von "schnittfest" definieren wir von Holst Porzellan auf folgenden Grundlagen.

 

  •     Die Mehrheit der europäischen Hersteller prüft die "Cutting Resistance" mit einem Prüfdruck von 500 g.
  •     Der Schneiddruck einer deutschen Frau bei Gemüse, Sättigungbeilagen u.ä. beträgt im Durchschnitt 400 g.
  •     Der Schneiddruck eines deutschen Mannes bei Fleischgerichten - je nach Messer - erreicht bis zu 900 g.
  •     Krustenbrot, Haxen, Rippchen u.ä. Gerichte erreichen einen Pressdruck bis zu 1.100 g.
  •     bereits zwei aufliegende große Speisenteller erreichen einen Pressdruck von mehr als 1.000 g auf dem unteren Teller.

 

Deshalb halten wir von Holst Porzellan eine Messmethode von 500 g nicht ausreichend und verdoppeln in unseren Testverfahren den Schneiddruck auf 1.000 g. Wie bei Autoreifen bilden wir dabei einen Toleranzwert und erhöhen zur Erlangung der Belastungsgrenzen den Pressdruck auf bis zu 1.300 g bei mindestens 20 Schnitten auf einer Stelle der Oberfläche. 

 

So testen wir unsere Aussage "schnittfest" für die Kollektionen

  •     High Alumina Porzellan
  •     Hartporzellan
  •     Vitrous China

Sehen Sie hier das Video zum Testverfahren für High-Alumina Porzellan

 

 

 


 

Schnittfest gilt nicht bei neuem Besteck

Ein Kommentar von Horst Lichter, Direktor der Solex Besteckfabrik, Eisingen 

 

Neue Besteckteilen können im ungespültem Zustand noch herstellungsbedingte Rückstände (z.B. Polierstaub) an der Klinge haben, die dann auf Porzellan oder Geschirrteilen Streifen hinterlassen. Bestecke entwickeln in den ersten Wochen des Gebrauch eine „Patina“, die die Oberfläche verschließt und zusätzlich weiter verhärtet. Bis diese Schutzschicht aufgebaut ist, können unangenehme Nebeneffekte, z.B. Rostanfälligkeit, die Bestecke beeinträchtigen oder Rückstände auf Porzellan und Geschirrteilen auftreten lassen. Nachdem sich die Schutzschicht (Patina) gebildet hat, gibt es kaum noch Veränderungen des Bestecks selbst oder einen Besteckabrieb auf Porzellan.     

 

Je niedriger der Chromanteil – desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Klingen Rückstände auf dem Porzellan hinterlassen. In den 80er und 90er Jahren und früher war es aufgrund der Produktionsverfahren nicht üblich, Monoblock-Messer mit einer 18/0 Klinge herzustellen. Nur Hohlheft Messer hatten diese Zusammensetzung der Klingen – und diese Messer zeigten mehrheitlich keine Schwierigkeiten. Erst seit einigen Jahren werden Monoblock-Messer aus dem hochwertigen 18er Chromstahl gefertigt, die eine langlebigere Schneidequalität und durch die höhere Härte kaum Abrieb verursachen – sodass das Problem in der heutigen Zeit weniger gehäuft auftritt. 

 


 

Niemals mit Besteckmustern testen

 

Aus dem oben genannten Vortrag ist zu entnehmen, dass ein selbst durchgeführter Test zur Prüfung von Schnittfestigkeit des Porzellans bitte niemals mit "nagelneuem" Besteck, z.B. aus dem Musterregal durchgeführt werden sollte. Die Praxis hat gezeigt, dass selbst bei unserem hochwertigen High Alumina Porzellan ungebrauchtes Besteck auf der Oberfläche Abriebe entstehen lässt, der ausschließlich auf Polierrückstände bzw. fehlende Patina zurückzuführen sind. Dieser Abrieb lässt sich jedoch mit gutem Spülmittel oder auch Porzellanreiniger wieder leicht entfernen.

  


 

Aus der Schnittfestigkeit von Porzellan und Geschirr lässt sich übrigens unmittelbar auch die Gefahr der Glasurkorrosion ableiten. Lesen Sie dazu auch unsere Beiträge